Der Wiederspruch

15. Dezember 2010

Vor etwa zwei Wochen saß ich auf einem Wochenendretreat zu Evolutionary Enlightenment mit Andrew Cohen. Das Thema Frauenbefreiung kam auf, und eine der Teilnehmerin beschrieb, dass wir, als Frauen, immer noch vor allem damit beschäftigt sind, einen, bzw den richtigen Mann zu finden.

Andrew war von ihrer Ehrlichkeit beeindruckt und fragte sie dann, warum das so sei. „Machen Männer euch so glücklich?“, fragte er. Alle Frauen im Raum brachen in wissendes Lachen aus – wir wussten sofort, dass dies nicht der Fall ist. Andrew machte uns auf diesen Wiederspruch aufmerksam – die gefühlte Sehnsucht und das Verlangen nach Romantik und sexueller Intimitaet, Kameradschaft etc., und die rationale Erkenntnis, dass uns Männer letztendlich nicht tief genug glücklich machen.

 Warum leben wir also in diesem Widerspruch? Dieser Geteiltheit?

 Der Wunsch, die Sehnsucht nach einem Mann entspringt einem Teil unseres Selbst, dessen Wurzeln tief in der Geschichte unseres Geschlechts und in unserer Biologie liegen.

Zum einen ist es von der Natur so eingerichtet, dass wir uns nach Männern sehen (so wie sie sich nach uns) – ohne diese Anlage würde unsere Art aussterben.

Zum anderen waren Männer für Frauen jahrtausendelang die Garanten des Überlebens und der Sicherheit – auch wenn sie sie versklavt und  ge- oder misshandelt haben, sie hatten die Macht und bedeuteten dadurch Schutz und Sicherheit.

 Es ist ernüchternd – milde ausgedrückt –  aber auch klärend, wenn man sich diese Grundlagen unserer Sehnsucht anschaut und in diesem Licht erneut fragt, warum wir auch heute noch so viel Zeit und Energie dafür aufwenden,  Mr. Right zu finden, wenn wir gleichzeitig genau wissen, dass sich unsere Bedürfnisse geändert haben, und wir in keiner romantischen Beziehung dauerhaftes, tiefstes Glück finden werden (Das bedeutet nicht, dass sie nicht wertvoll sein können, aber der Beweggrund ist ein anderer.) Oftmals verlangen wir dann, dass die Männer sich diesen neuen Bedürfnissen anpassen – aber macht das Sinn? Ist das gerechtfertigt? Und können sie es überhaupt?

 Ich finde es unendlich viel spannender zu schauen, was genau uns zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte und unserer Entwicklung wirklich erfüllt. In meiner Erfahrung hat das mit einer erhöhten Kreativität, Selbsterkenntnis im größten Sinn und spiritueller Tiefe und Entwicklung zu tun. Alle diese Dinge kann uns ein Mann nicht geben, das liegt nicht in der Natur der Dinge. Aber auf der Grundlage meiner Unabhängigkeit in diesen Bereichen wird es möglich, eine neue Beziehung zu Männern aufzubauen.

Dann hören wir auf, entgegen unserer eigenen Intelligenz in einem Widerspruch zu leben.

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