Eine Liebe
23. Dezember 2010
Auf diesen Artikel machte mich heute ein Freund aufmerksam. Die Liebe ist staerker als der Tod. Dies ist ein Beispiel zwischen Mann und Frau.
Der Wiederspruch
15. Dezember 2010
Vor etwa zwei Wochen saß ich auf einem Wochenendretreat zu Evolutionary Enlightenment mit Andrew Cohen. Das Thema Frauenbefreiung kam auf, und eine der Teilnehmerin beschrieb, dass wir, als Frauen, immer noch vor allem damit beschäftigt sind, einen, bzw den richtigen Mann zu finden.
Andrew war von ihrer Ehrlichkeit beeindruckt und fragte sie dann, warum das so sei. „Machen Männer euch so glücklich?“, fragte er. Alle Frauen im Raum brachen in wissendes Lachen aus – wir wussten sofort, dass dies nicht der Fall ist. Andrew machte uns auf diesen Wiederspruch aufmerksam – die gefühlte Sehnsucht und das Verlangen nach Romantik und sexueller Intimitaet, Kameradschaft etc., und die rationale Erkenntnis, dass uns Männer letztendlich nicht tief genug glücklich machen.
Warum leben wir also in diesem Widerspruch? Dieser Geteiltheit?
Der Wunsch, die Sehnsucht nach einem Mann entspringt einem Teil unseres Selbst, dessen Wurzeln tief in der Geschichte unseres Geschlechts und in unserer Biologie liegen.
Zum einen ist es von der Natur so eingerichtet, dass wir uns nach Männern sehen (so wie sie sich nach uns) – ohne diese Anlage würde unsere Art aussterben.
Zum anderen waren Männer für Frauen jahrtausendelang die Garanten des Überlebens und der Sicherheit – auch wenn sie sie versklavt und ge- oder misshandelt haben, sie hatten die Macht und bedeuteten dadurch Schutz und Sicherheit.
Es ist ernüchternd – milde ausgedrückt – aber auch klärend, wenn man sich diese Grundlagen unserer Sehnsucht anschaut und in diesem Licht erneut fragt, warum wir auch heute noch so viel Zeit und Energie dafür aufwenden, Mr. Right zu finden, wenn wir gleichzeitig genau wissen, dass sich unsere Bedürfnisse geändert haben, und wir in keiner romantischen Beziehung dauerhaftes, tiefstes Glück finden werden (Das bedeutet nicht, dass sie nicht wertvoll sein können, aber der Beweggrund ist ein anderer.) Oftmals verlangen wir dann, dass die Männer sich diesen neuen Bedürfnissen anpassen – aber macht das Sinn? Ist das gerechtfertigt? Und können sie es überhaupt?
Ich finde es unendlich viel spannender zu schauen, was genau uns zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte und unserer Entwicklung wirklich erfüllt. In meiner Erfahrung hat das mit einer erhöhten Kreativität, Selbsterkenntnis im größten Sinn und spiritueller Tiefe und Entwicklung zu tun. Alle diese Dinge kann uns ein Mann nicht geben, das liegt nicht in der Natur der Dinge. Aber auf der Grundlage meiner Unabhängigkeit in diesen Bereichen wird es möglich, eine neue Beziehung zu Männern aufzubauen.
Dann hören wir auf, entgegen unserer eigenen Intelligenz in einem Widerspruch zu leben.
Ich will aber…..
11. November 2010
Vor zwei Wochen ’heiratete’ eine junge Freundin von mir – ich setze das in Anfuehrungsstriche, weil es keine standesamtliche Trauung war, sondern sie und ihr junger Mann sich im Kontext von Evolutionary Enlightenment foermlich zueinander verpflichteten. Das klingt entsetzlich trocken auf Deutsch – war es aber ueberhaupt nicht.
Einer der Punkte, ueber die Andrew Cohen, der Gruender dieser Lehre und Philosophie, bei diesem Anlass sprach hat mich besonders beruehrt, auch, weil ich selbst mich damit in der letzten Zeit viel aueinander gesetzt habe: Der Materialismus in unseren sexuellen Beziehungen. Das Gefuehl, dass wir, sobald wir uns auf jemanden eingelassen haben, das Recht haben, alles moegliche, besonders und vor allem unser eigenes Glueck, von ihm oder ihr zu verlangen. Diese Idee ist mittlerweile so tief in unserer Kultur verwurzelt, dass es fast unsinnig erscheint, sie zu hinterfragen (in traditionellen oder auch modernen Kulturen oder Zeiten war sie noch nicht verbreitet, erst seit den 60er Jahren hat sie um sich gegriffen wie ein Wildfeuer.)
In den lezten Monaten wurde ich mir dessen immer bewusster. Nach 2 Jahren in der Beziehung war ich auf einmal so hungrig nach ganz bestimmten Gesten der Zuneigung, der Aufmerksamkeit und der Zaertlichkeit, dass ich mich fragen musste, warum ich eigentlich annehme, dass es R’s Pflicht ist, mir diese Beduerfnisse zu erfuellen. Wieder so etwas, was verrueckt klingen mag – wozu sind wir zusammen, wenn es nicht darum geht, uns gegenseitig zu befriedigen – nicht nur sexuell, sondern emotional, psychologisch, materiell vielleicht etc. Und wenn wir nicht im Kontext der evolutionaeren Erleuchtung leben wuerden, wuerde ich auch so denken. Aber dieser Kontext veraendert alles. In diesem Kontext spuerte ich, wie unfrei ich war in meinem Wollen, und wie untreu meinem Wissen, dass es mir auf der tiefsten Ebene des Seins an nichts fehlt. Und, was noch wichtiger ist – dieses Verlangen vernebelte den eigentlichen Sinn unserer Beziehung – da geht es ja nicht darum, dass ich, wie ein Baby, bekomme, was ich will, sondern darum, gemeinsam ein Zeugnis fuer die tiefe Positivitaet des Lebens zu setzen und ein noch unentwickelten Potenzial zwischen Mann und Frau zu verwirklichen. (Zu diesem Potenzial habe ich auch eine sehr spannende Radio Sendung gehoert.
Als ich mir das so klar durchdacht hatte, musste ich nur noch die Wellen der Unzufriedenheit und Wut aushalten, die mit grosser Wucht vor allem dann heranrauschten, wenn ich muede war. Nach etwa drei Wochen war es dann, als haette sich der Sturm gelegt, oder das Feuer des Wollens erst einmal ausgebrannt. Sicher nicht fuer immer, aber es hat mir Mut gemacht, dass es moeglich ist, statt meine Forderungen auf R abzuladen, stark genug zu sein, inmitten dieser wilden Emotionen die groessere Perspektive nicht zu verlieren.
Und ploetzlich sind wir uns viel naeher.
Ok, das war keine gute Idee
11. November 2010
meine deutschen Leser auf die englische Seite zu schicken – pardon! Ich werde hier weiter machen!
Auf Englisch weiter lesen
4. November 2010
Liebe Leserinnen und Leser, aus Zeitgruenden kann ich im Moment nur noch auf Englisch schreiben - ich hoffe, ihr folgt mir auf meine amerikanische Blogseite: www.sexlovemeaning.wordpress.com . Ich sehe Euch dort!
Wollen
19. Oktober 2010
Ich schlage die Augen auf und will. Etwas. Nur weil R da ist, neben mir, im Bett, denke ich, dass mir seine Aufmerksamkeit zusteht. Jetzt, sofort, oder wann immer ich daran denke, oder sie eben will. Es geht Hand in Hand. Auf dem Weg ins Bad suche ich nach seinem Blick – ganz automatisch, nur zur Absicherung, als wüsste ich nicht, dass er mit mir ist, mich liebt, alles in Ordnung ist. Seit fast zwei Jahren. Es ist als seien alle meine Fasern programmiert worden zu wollen, immer, unerlässlich, wie ein Schwamm. Was eigentlich?
R lebt einfach, während meine Augen sich immer auf ihn richten.
Das ist ein Programm. Das läuft ganz automatisch ab, ohne dass ich es wähle. Vielleicht war es für Frauen Jahrtausende lang überlebenswichtig, immer mit einem Auge auf den Meister, den Herrn zu schauen und sicherzustellen, dass man sein Wohlwollen, seine Laune auf der eigenen Seite hatte. Vielleicht ist so ein Verhalten sogar in unseren Genen verankert, in unserer sogenannten Natur. Oder – es gibt sicher viele Gründe (und ich würde mich über Komemntare hierzu freuen).
Jetzt habe ich die Wahl. Ich übe, das, ihn und mich sein zu lassen. Probiere aus, mehr so zu, sein wie er. Es ist eine große Erleichterung: Ich gehe einfach meinen Beschäftigungen nach und lasse das, was zwischen uns ist, in Ruhe. Dann begegnen wir uns plötzlich und unerwartet, aus freien Stücken. Frei, ohne dass die unersättliche Hand in mir nach jeder Zuneigung greifen und sie festhalten muss.
Libido versus sexuelle Macht
2. August 2010
Meine Freundin Kate haette es nicht deutlicher sagen koennen. ‘Wir dis-assoziieren uns von unserer Libido, und identifizieren uns mit sexueller Macht,” brach es aus ihr hervor, als ich ihr erzaehlte, das unser spiritueller Lehrer uns aufgefordert hatte, ueber den Unterschied zwischen diesen beiden Modi Operandi nachzudenken. (Er ermuntert uns immer wieder, uns der tiefen kulturellen und gesellschaftlichen Wertsysteme bewusst zu werden, die uns davon abhalten, als Frauen spirituell befreit zu handeln.)
Sie hatte Recht. Aber erst einmal mussten wir uns klar werden darueber, was der Unterschied eigentlich ist. Hierauf haben wir uns geeinigt:
Libido ist der klare Trieb nach Sex, vor allem geboren aus der Dringlichkeit der Fortpflanzung, eine vollkommen ueberpersoenliche Kraft, die uns leicht vollkommen in ihren Bann schlagen kann. Oft verhalten wir uns ihr gegenueber unfrei, entweder, weil wir ihr unbedacht nachgeben, oder sie zu unterdruecken versuchen - darueber sind viele Buecher geschrieben worden.
Sexuelle Macht bedeutet, unsere Weiblichkeit, Attraktivitaet und Anziehungskraft dazu zu benutzen, das zu bekommen, was wir wollen – Manipulation ist ein anderes Wort dafuer. Wenn ich meinem Mann mit einem flirtenden Witz begegne, anstatt gerade heraus zu sein, um Konflikt zu vermeiden, z. Bsp. Oder wenn wir uns, wie vor einem Spiegel, von unserer besten verfuehrerischen Seite zeigen, um der Star des Abends zu sein.
Wenn Frau sich dafuer interessiert, frei zu sein, also vom Standpunkt des Nichtgeteilten, Unteilbar Einen zu leben, dann macht diese Weise, unsere Sexualitaet zu benutzen nicht nur keinen Sinn, sie festigt die begrenzende Identifizierung mit meinem Koerper und seinem Wert als das, was mich letztendlich durchs Leben bringt. Denn dafuer haben Frauen ihre Koerper immer benutzt, benutzen muessen: er war die Waehrung, die das Ueberleben gewaehrleistet hat.
Nun, wo das nicht mehr der Fall sein muesste, ist es die grosse Herausforderung, dieses Muster loszulassen und uns auf anderes zu verlassen als unsere Sexualitaet, um uns voranzubringen. Das einzige, was ich hier nicht nur als Ersatz, sonders als ekstatische neue Moeglichkeit erfahren habe, ist die Verbindung und Schwesternschaft mit Frauen, die das gleiche wollen: Frauen zu werden, deren Selbstwert und Selbstrespekt auf spirituellen Werten basiert.
Endlich
25. Juli 2010
Es hat nicht am Mangel an Stoff gelegen, dass ich solange nicht geschrieben habe – Entschuldigung!!!. Eher daran, dass zuviel passiert ist, um hinterher zu kommen und hier in Ruhe zu reflektieren. Und ich muss endlich das Buch zu Ende bringen, das hat Prioritaet. Ein neues Kapitel findet ihr unter den Auszuegen.
Inzwischen habe ich einen interessanten und auch verblueffenden Artikel gefunden, der urspruenglich in der amerikanischen Zeitschrift Atlantic unter dem Titel ‘The End Of Men” erschienen ist. Dieses Link geht zu einer deutschen Version, in der die Statistiken ueber die bahnbrechenden Veraenderungen, die sich auf der ganzen Welt in Bezug auf Geschlecht und Geschlechterrollen vollziehen, entsprechend angepasst sind.
Auch wenn der Artikel lang ist, es lohnt sich ihn zu lesen, hauptsaechlich fuer den grossen Ueberblick, den er gibt. Er hat sehr viel Gutes zu berichten darueber, wie Frauen in der Welt vorankommen, mehr Verantwortung tragen und sich ihr Ansehen, selbst in stark patriarchalischen Gesellschaften wie Sued-Korea, erhoeht.
Vielleicht wird das naechste Jahrhundert das Jahrhundert der Frauen, dachte ich bei der Lektuere, und wuenschte mir gleichzeitig, dass wir es endlich schaffen, ueber die ewige Trennung zwischen den Geschlechtern hinauszugehen. Frauen, die in vielen Bereichen der Erziehung und Erwerbswelt auf einem nie dagewesenen Vormarsch zu sein scheinen, das wird in dem Artikel klar, koennten locker den Spiess umdrehen, sich/ uns Revanche verschaffen und das alte Denken des ‘wir versus ihr’, Frauen gegen Maenner, umdrehen und damit fortsetzen. Selbst wenn es verstaendlich waere, und einige meiner Freundinnen diesen Weg fuer mehr als gerechtfertigt halten, waere das tragisch.
Viel kreativer, herausfordernder und letztendlich wahrer uns selbst als Menschen gegenueber waere es, den radikalen Schritt ueber die Unterschiede zwischen den Geschlechtern hinauszutun, und als in Einheit verbundene Partner mit Maennern, die das gleiche wollen, eine Gesellschaft zu entwerfen, in der Unterschiede wie das Geschlecht zweitrangig oder sogar dritt- oder viertrangig sind. Je laenger ich mich mit der Lehre der evolutionaeren Erleuchtung beschaeftige, umso klarer schaelt sich in meiner Wahrnehmung jener Teil in mir selbst und anderen heraus, der immer grundsaetzlich frei von den Beschraenkungen unseres Genders ist. Das, was Andrew Cohen das Authentische Selbst nennt, kennt kein Geschlecht. Und von diesem Teil unseres Selbst aus zu leben ist unendlich erfuellender, tiefer und wahrer, als das Bestehen auf den sogennanten ‘kleinen Unterschied’, der in Wahrheit einen Grand Canyon der Trennung schafft.
(Nicht) zum Aushalten Teil2, Die Erben des Holocaust
25. April 2010
,Nicht zum Aushalten’ – Teil 2
Gestern habe ich diesen Dialog ,Die Erben des Holocaust’ im EnlightenNext Radio gehört. Er ist unglaublich wichtig – wir denken nicht oft an den Holocaust als etwas, das nicht nur in der Vergangenheit geschehen ist, sondern das weiterlebt in der Art und Weise, wie wir denken und uns auf andere Menschen beziehen. Diese Gespräch hat mir sehr viel erklärt und es greift auch das Thema wieder auf, das ich in ,(Nicht) zum Aushalten’ angesprochen habe: wie oft in meiner eigenen Erfahrung und in meinen Verwandten und den deutschen um mich herum immer wieder das Gefühl auftaucht – Es ist mir zuviel, ich halte es nicht aus.
Der Holocaust war zuviel und dieses Zuviel wird immer noch von Generation zu Generation weiter gereicht, bis wir uns ihm stellen,jetzt, direkt, in uns selbst, dort, wo wir dieses Zuviel jetzt erfahren, nicht (nur) in der Vergangenheit. So etwa der Grundtenor des Interviews. Und diese Sichtweise erklärt vieles und macht vieles möglich.
Sie erklärt zum Beispiel das Gefühl, dass ich, wenn es Schwierigkeiten oder aber auch intensive Nähe in Beziehung gibt, immer das Gefühl bekomme, weglaufen zu wollen. Das Hilflosigkeit sehr schwer zu akzeptieren ist, selbst wenn es Hilflosigkeit gegenüber der Liebe ist, der Fürsorge. Nichts tun zu können scheint unerträglich, die Jähzorn – Ausbrüche meines Vaters und die unerklärlichen Tränen meiner Mutter, beide im Krieg aufgewachsen, verstehe ich jetzt in diesem Kontext.
Oftmals denke ich, dass es nur an den Menschen in meiner Umgebung liegt, dass ich an mich halte, und diesen Impulsen nicht einfach nachgebe, weil ich weiss, dass sie auf mich zählen. Seit ich meinen spirituellen Lehrer, Andrew Cohen, kenne, merke ich, dass ich Menschlich sein wirklich lernen muss – es kommt nicht von allein. Organisieren, klar denken, arbeiten, ja, aber menschlich sein, das wurde mir, und ich glaube uns, in unserer Kultur nicht in die Wiege gelegt.
Fast alle meine Freundinnen sind Jüdinnen. Mittlerweile können wir Witze darüber machen, über mein Deutsch-sein und ihr jüdisches. Zum Beispiel, als eine von ihnen neulich von einem unserer sehr beliebten und genialen Freunde sprach, der Amerikaner, aber portugiesischen Ursprungs ist. „Ich bin mir sicher, dass er eigentlich Jude ist”, sagte sie. “In Portugal mussten die Juden konvertieren im Mittelalter – ich könnte darauf schwören, dass Jeff von diesen Juden abstammt. Das meinte mein Vater auch, als ich ihm von Jeff erzählt habe.” Sie lachte zwar, aber nur halb.
“Moment mal,” habe ich da gesagt. “Ihr (Juden) könnt doch nicht einfach, nur weil jemand richtig cool ist, beschließen, dass er Jude ist. Nicht alle fantastischen Leute sind Juden, vielleicht fast alle, aber nicht alle, das geht zu weit.” Wir haben unheimlich gelacht und unter dem Lachen ist immer dieses Bewusstsein eines großen Schmerzes, den wir alle tragen und einer grossen Verantwortung.
Ich würde mich sehr freuen, hierzu Kommentare zu erhalten!
Die Liebe zur Tradition
21. April 2010
Letztes Wochenende habe ich mich mit sieben anderen Frauen in einer fantastisch inspirierenden Diskussion mit der Frage auseinander gesetzt, in wie weit und auf welche Weise die traditionelle Geisteshaltung in uns post-modernen Frauen lebendig ist. Der Zweck dieser Analyse lag darin zu erkennen, wie uns diese alten Denk- und Verhaltensmuster von unserer weiteren spirituellen Entwicklung und grösserer Verantwortung für die Welt zurückhalten.
Obwohl ich mich seit Teenagerzeiten als Feministin bezeichnet habe, liebte ich es plötzlich, als ich mit R zusammen kam, ihm zum Beispiel beim Sex die Initiative zu überlassen, ihn bei Entscheidungen immer zuerst zu fragen, ihm das Essen zu servieren und den Tee aufzugieβen . Obwohl mir auffiel, wie eigenartig es war, dass ich so leicht in solche Muster schlüpfte, wo ich doch Jahre damit verbracht hatte, mich zu emanzipieren, fühlte ich bei all diesen Dingen eine richtige Zufriedenheit, Sicherheit, fast so etwas wie das Gefühl, nach Hause zu kommen – etwas in mir war erleichtert darüber, so eine Rolle zu erfüllen.
Ich kenne nämlich, genauso wie viele andere Frauen, mit denen ich spreche, auch eine groβe Unsicherheit darüber, wie meine Rolle eigentlich aussehen soll in einer Welt, die immer noch zu einem groβen Teil von Männern geformt wird und dringend den Beitrag von erwachten, starken Frauen braucht. Bevor wir das herausfinden können, erkannten wir, mussten wir uns klar darüber werden, wie sehr wir von oft unbewussten und veralteten Denkmustern bestimmt sind. Wir kamen ziemlich schnell zu der Schlussfolgerung, dass es uns sehr leicht fällt, in einer guten Beziehung und mit sinnvoller Arbeit oder auch Dienst sehr erfüllt und glücklich zu sein.
Dieses schöne Gefühl des zuhause seins, die Sicherheit und Vertrautheit dieser Rolle, stammen aus einer Zeit, so erkannten wir, in der Frauen den Schutz einer solchen Rolle dringend benötigten. Für uns heute, so stellten wir fest, sind sie zwar nicht negativ, aber hinderlich dabei, eine wirklich neue Art Frau zu sein zu entdecken. Wir alle haben in tiefen spirituellen Erfahrungen und in der Lehre des Evolutionary Enlightenment einen Teil von uns entdeckt, der sich auf gar keinen Fall mit solchen Rollenspielen begnügen möchte. (Dazu ein Buchausschnitt auf der Seite Auszüge.) Der sehr frei ist, und kreativ, der aber noch keinen festen Halt in uns hat, nicht fest genug, um in die Welt zu gehen, und sie tiefgreifend zu verändern, so, wie Männer die Welt geschaffen haben.
Es war unglaublich befreiend, gemeinsam zu entdecken, wie gern wir an Verhalten festhalten, die wir intellektuell längst als veraltet erkennen, von denen wir gefühlsmässig, und oft unbewusst, aber immer noch gesteuert werden. Wenn diese Muster zum Gegenstand der Aufmerksamkeit werden, schafft das Raum für das Neue.